19. Februar 2010

26.02.10 19:30, Hamburg, „Nichts gelernt und nichts vergessen“

Veranstaltung am Freitag, 26. Februar 2010, 19.30 Uhr im Bistro des Golden Pudel Club, St. Pauli Fischmarkt, Hamburg mit
Joachim Bruhn und der Hamburger Studienbibliothek
Audiomitschnitt

»Nichts gelernt und nichts vergessen«
Ein Schema zur Geschichte des Antizionismus in Deutschland

Irgendwann zwischen der Wannsee-Konferenz und der Gründung Israels verliert der Hass auf die Juden jedwede Geschichte. Danach gab es keine Antisemiten mehr: weil alle es sind. Der Antisemitismus wird zum logischen wie zum historischen Apriori, zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins der Deutschen. Was immer sich seitdem auch ereignet hat – es spiegelt den prinzipiellen Stillstand der Geschichte, den Bann, die Angstlust der erpressten Versöhnung. So findet auch der Hass auf die Juden, egal, ob antisemitisch oder antizionistisch ausgebrüllt, keine neuen Worte mehr, sondern gehorcht einem manischen Wiederholungszwang, dessen Vokabular in den Werken Adolf Hitlers gesammelt vorliegt. Es ist sein »Politisches Testament« vom 29. April 1945, das seitdem abgearbeitet wird, sein letzter Wille, dem »internationalen Judentum und seinen Helfern« den totalen Krieg zu erklären und dafür immer wieder aufs Neue im deutschen Staat die so klassenübergreifende wie die Klassen in sich aufhebende Volksgemeinschaft zu verschweißen, d.h. das Mordkollektiv, das in erlogener präventiver Notwehr dagegen sich erheben solle, dass »die Völker Europas wieder nur als Aktienpakete dieser internationalen Geld- und Finanzverschwörer angesehen werden«.

1989, als die Wiedervereinigung der Antisemiten (BRD), die genötigt worden waren, mit Israel sich zu arrangieren, mit den Antizionisten (DDR), denen es nur erlaubt war, die Juden in Form der ›Zionisten‹ zu hassen, unvermeidlich wurde, waren alle formellen Bedingungen der deutschen Souveränität wiederhergestellt, die es möglich machen, Hitlers Testament doch noch zu vollstrecken, d.h. die HaShoah durch ihre Vollendung, Überbietung und restlose Vollstreckung an Israel ungeschehen zu machen: Der Rechtsnachfolger rüstet sich auf, der Gesellschaftsnachfolger zu sein. Denn erst der Tag, an dem es die Juden, außer in Geschichtsbüchern, niemals gegeben haben wird, wird der Tag der vollendeten »Deutschen Revolution« (Goebbels) gewesen sein. So trifft das paradoxe Resümée jetzt erst zu, das Eric Voegelin 1964 aus dem Verhältnis der Deutschen zu Hitler zog: »Nichts gelernt und nichts vergessen.« Es ist diese irrsinnig redundante, penetrante Permanenz des Nullpunkts materialistischer Aufklärung, in dem der Wiederholungszwang sich breitmacht.

23. Dezember 2009

Mit „Israelkritik“ gegen Antizionismus

Über den Stand der antisemitischen Dinge

Vortrag & Diskussion mit Tjark Kunstreich
Mittwoch, den 27. Januar 2010, 19.30 Uhr
FH Köln-Süd, Mevissen-Saal, Claudiusstraße 1

„Wer den ‚Zionismus’ angreift, aber beileibe nichts gegen die ‚Juden’ sagen möchte“, erkannte Hans Mayer 1975, „macht sich oder andern etwas vor. Der Staat Israel ist ein Judenstaat.“ Ganz in diesem Sinne hielt Claude Lanzmann, als kürzlich linke Nazis die Aufführung seines Films Warum Israel? verhinderten, fest: „There is no Anti-Zionism without Anti-Semitism.“ Wie aber kommt es, dass diese eigentlich selbstverständliche Erkenntnis zunehmend auch von Freunden Israels abgewehrt wird? Weiterlesen

Buttons