KZ de luxe

Von Claudio Casula

Hallo? Alle mal herhören! Aus gegebenem Anlass bedarf es einer Neudefinition des Begriffs Konzentrationslager.

Ein Konzentrationslager (KZ) ist ein Gebiet mit einer Fläche von etwa 360 Quadratkilometern. Es gibt mehrere Ausgänge, die man unter Umständen passieren darf, im Norden wie im Süden. Der Lagerkommandant ist mehr oder weniger demokratisch gewählt, gibt der Weltpresse Interviews und hält ansonsten ca. 10.000 Aufseher unter Waffen, die sich aber gleichzeitig als Lagerinsassen verstehen. Auch der KZ-Kommandant selbst, der sich Regierungschef nennt, hält sich für einen Lagerinsassen, denn er lebt ja im KZ.

Die KZ-Häftlinge tragen nicht, wie bisher angenommen, gestreifte Einheitskleidung, sondern Jeans und Turnschuhe sowie Schnurrbärte statt kahlrasierter Köpfe. Sie besitzen Autos, Fernseher, Radios und Mobiltelefone. Um der Monotonie des Lagerlebens zu entgehen, bauen sie Raketen und schießen diese auf eine Stadt jenseits des Lagerzauns ab. Bisweilen liefern sie sich auch, da sie häufig bewaffnet sind, blutige Gefechte und werfen einander von Hochhausdächern, stellen zur Belustigung anderer Häftlinge Attentate nach und lassen im von ihnen selbst produzierten Kinderprogramm lustige Mäuse, Hasen und Bienen erzählen, wie schön es ist, sich das Leben zu nehmen – vorausgesetzt, man bringt andere Menschen bei der Gelegenheit mit um. Die Lagerinsassen fahren manchmal an den Strand oder spielen Fußball. Nur Kinos und Gaststätten sieht die Lagerleitung nicht so gern. Gaskammern gibt es nicht, und Erschießungen und Folter nur, wenn die Häftlinge miteinander ein Problem haben.

Ein Konzentrationslager verfügt über mindestens zwei Universitäten. In einer der beiden Hochschulen studieren die männlichen und die weiblichen Häftlinge in getrennten Gebäudekomplexen vor allem religiöse Pflichtfächer und hören sich Aufrufe zum Heiligen Krieg an.

Bei Wahlen kann es vorkommen, dass sich eine Mehrheit der Häftlinge für den Lagerleiter und seine Schergen entscheidet, damit sichergestellt ist, dass sich die Verhältnisse im KZ nicht zum Besseren wenden.

Etwa 400 Lastwagen mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Gütern rollen täglich in das KZ. Politiker und Menschenrechtler reisen in das KZ hinein, sprechen mit den Häftlingen (also den Leuten, die auf der Straße herumlaufen, nicht mit denen, die innerhalb des Konzentrationslagers im Gefängnis sitzen), machen, wie zahlreiche Pressemitarbeiter aus aller Herren Länder, Filme und Fotos und erzählen nach ihrer Rückkehr, wie es so gewesen ist.

via http://spiritofentebbe.wordpress.com